Il Carnevale di Venezia CDIL CARNEVALE DI VENEZIA
Eduard Brunner, Clarinetto; Münchener Kammerorchester; Hans Stadlmair
Werke von Cimarosa, Donizetti, Mercadante, Rossini
Aufgenommen im Juni 1988, erschienen ℗ 2018
TUDOR in Coproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk 7506, im Vertrieb von NAXOS
… in exzellenter Qualität …

♦|♦|♦|♦|♦

Diese CD bei Amazon bestellen?

Als „Mein Hut, der hat drei Ecken“ kennt man im deutschsprachigen Raum das venezianische Volkslied „O mamma mia“. Niccolò Paganini hat es mit seinen 1829 erschienenen Variationen für Violine solo (op. 10) auch außerhalb Italiens bekannt gemacht … und als Thema für Variationssätze machte es danach schließlich Karriere.
Die vorliegende CD dokumentiert die Geschichte der genannten Canzonetta – außerdem die der Klarinette als Orchester- und Kammermusikinstrument.
Ihr [der Klarinette] unmittelbarer Vorläufer war das Chalumeau, ein Holzblasinstrument mit zylindrischer Röhre und einfachem Rohrblatt. Johann Christoph Denner (1655–1707), der schon an der Entwicklung des Chalumeaus beteiligt gewesen war, soll dann die Idee gehabt haben, „eine neue Art von Pfeiffen-Wercken, die so genannte Clarinette zu der Music-Liebenden großen Vergnügen“ zu bauen – so jedenfalls berichtet Johann Gottfried Walther (1684–1748) in seinem Lebenswerk, dem für die damalige Zeit monumentalen Musikalischen Lexicon von 1732. Auch die Klarinette hatte ein einzelnes Rohrblatt, allerdings auch eine Zusatzklappe zum Überblasen. Die Klarinette der klassischen Zeit, wie wir sie aus verschiedenen Werken Mozarts kennen, hatte dann acht Grifflöcher und meistens fünf Klappen.

Eduard Brunner (1939–2017) war lange Solo-Klarinettist im Symphonie-Orchester der Bayerischen Rundfunks – teilweise unter Rafael Kubelik. Daneben war er Professor für Klarinette an der Münchener Musikhochschule. Die „Kleinmeister“ der Musikgeschichte und die Darstellung ihrer Werke, lag ihm besonders am Herzen. Und auch jetzt sind auf „seiner“ CD  sind Kompositionen zu hören, die von eher unbekannten Komponisten stammen. Freilich ist Gioacchino Rossini der bekannteste der Riege, aber wer kennt heute noch Saverio Mercadante (1795–1870) oder Gaetano Donizetti (1797–1848) oder (und ganz besonders) Werke aus deren Feder? Sie werden selten aufgeführt … und wenn, dann sind es Opern wie „Lucia di Lammermoor“ oder „Don Pasquale“ des einst weltbekannten und gefeierten Komponisten Domenico Gaetano Maria Donizetti. Letztere Oper wurde am 3. Januar 1843 im Théâtre-Italien in Paris uraufgeführt und wird heute noch gegeben – zwischen September 2018 und Juni 2019 übrigens sechsmal an der Wiener Staatsoper und fünfmal im August dieses Jahres in Kapstadt in Südafrika. Dies sind nur Beispiele!

Aber wie steht es mit den kleineren Orchester- oder kammermusikalischen Werken? Sie gerieten vermutlich in totale Vergessenheit, wenn sich nicht Musiker wie Eduard Brunner und Hans Stadlmair und ihr Orchester um sie bemühten oder bemüht hätten. Und der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der nicht nur verlässliche Nachrichten und Magazine bereitstellt, sondern auch Musikproduktionen möglich macht wie die, von denen gerade die Rede ist? Heute hat das höchste deutsche Gericht die Verfassungsmäßigkeit des Rundfunkbeitrags bestätigt, den wir für Radio und Fernsehen bezahlen. Wenn ich Berichte über eine Reihe regelmäßiger Freiluft-Veranstaltungen sehe und höre, wo Horden von Dummköpfen das Wort „Lügenpresse“ skandieren und gleichzeitig versichern, sie seien schließlich das Volk, wird mir angst und bange. Da demonstrieren Menschen, die außer den zitierten Sprüchen vermutlich kaum ein weiteres Wort fehlerfrei vortragen können und die sich, wie sie sagen, „im Internet“ informieren, weil dort „eben auch nicht alles korrekt sei, aber doch viel mehr, als im Staatsrundfunk von ARD und ZDF“ und weil die Wahrheit im Internet zudem kostenlos angeboten würde.
Ich zahle den Rundfunkbeitrag gerne! Nicht nur, weil ich dafür Fußball angeboten bekomme oder die Tour de France, sondern auch, weil ich es schätze, so objektiv und ehrlich wie möglich über die Geschehnisse des täglichen Lebens informiert zu werden. Und ich zahle gerne dafür, weitgehend quoten- und propagandaunabhängige Rundfunk- und Fernsehprogramme werbefrei ins Haus geliefert zu bekommen.
Was die Musik angeht, die in den öffentlich-rechtlichen Anstalten gesendet wird, entstehen dort Produktionen, die in kommerziellen Kanälen keine Chance hätten. Schon die Orchester, Bigbands und Chöre, die für die Sender der ARD arbeiten, sind Garanten für hohe musikalische Qualität und für breit angelegte kulturelle Arbeit. Egal, ob es um Standardrepertoire, um Alte oder um Neue Musik geht – die Rundfunkanstalten sind die Mäzene unserer Zeit. Die Rolle der Feudalherrscher vergangener Zeiten haben aber wohlhabende Menschen übernommen, Stiftungen, Unternehmen … und Rundfunkanstalten. Ohne deren Unterstützung wären zentrale musikalische Werke des zwanzigsten und unseres Jahrhunderts nicht entstanden.

Hier, bei den frühen Werken des 19. Jahrhunderts für Klarinette, die auf der vorliegenden CD zu hören sind, haben sie überlebt durch Mäzene. Die Musiker, die sie aufgeführt haben, gehören dazu und schließlich der Bayerische Rundfunk. Er hat die CD mit dem Titel „Il Carnevale di Venezia“ vor genau dreißig Jahren in exzellenter Qualität aufgenommen und uns damit diese Musik gesichert.