LI DUE ORFEI CDLI DUE ORFEI
Giulio Caccini, Jacopo Peri
Marc Mauillon, canto; Angélique Mauillon, arpa doppia a tre registri
Aufgenommen im Februar 2015, erschienen ℗ 2016‘
Arpa doppia a tre registri: Simon Capp, Somerset (UK), 2014
OUTHERE, ARCANA A 393, im Vertrieb von Note-1
… eine für diese Musik optimale musikalische Einheit …

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Giulio Caccini (1551–1618) und Jacopo Peri (1561–1633) haben sich – zusammen mit Emilio de Cavalieri (ca. 1550–1602) und Vincenzo Galilei (ca. 1528–1591) – zusammengetan, um einen völlig neuen musikalischen Stil zu entwickeln, einen neuartigen Gesangsstil resp. die entsprechende instrumentale Begleitung. Es entstanden der „stile rappresentativo“ und der „basso continuo“ – beides in Anlehnung an einen historischen Gesangsstil, den man freilich nur aus philosophischen, theologischen, und gar mathematischen Abhandlungen kannte bzw. rekonstruiert hatte. Der „stile rappresentativo“ wurde auch „stile recitativo“ genannt und genau das war er: eine Art des Sprechgesangs. Die neuen Theoretiker forderten eine völlige Abkehr von der hoch entwickelten Polyphonie und dafür die als Rückwendung empfundene Konzentration auf eine mit Akkorden begleitete Einstimmigkeit – die begleitete Monodie. Dies weiterführend ist schließlich die Oper entstanden, auch das Oratorium.

Orpheus war eine Figur der griechischen Mythologie, ein Poet, der sich selbst auf der Lyra begleitete. Er verkörperte das ästhetische Ideal schlechthin, den Dichter und Sänger, der mit seiner Kunst förmlich Berge versetzen konnte, wilde Tiere zähmen und sogar Götter günstig stimmen. Die Favola in Musica „L’Orfeo“ von Claudio Monteverdi wird oft als erste Oper der Musikgeschichte bezeichnet und wurde 1607 in Mantua uraufgeführt. Sie erzählt die Geschichte der Liebe zwischen Orpheus und Euridice:

Orpheus gelingt es, Euridice für sich zu gewinnen, er erhält aber nach einiger Zeit von Messaggiera (der Botin) die traurige Nachricht, Euridice sei an einem Schlangenbiss gestorben und hinab in die Unterwelt verbannt worden. Orpheus verspricht, sie dort wieder herauszuholen. Speranza (die Hoffnung) begleitet ihn bis zum Eingang der Unterwelt, dort wartet Caronte, der Orpheus davon abhalten will, weiter in die Unterwelt zu gehen. Aber Orpheus singt und spielt so lange, bis Caronte einschläft und sogar Proserpina, Plutones Frau, Euridice ziehen lassen will. Aber Plutone, der Gott der Unterwelt, stellt Orpheus eine Bedingung: Orpheus darf mit Euridice die Unterwelt verlassen, er darf sich aber auf dem Weg nicht zu ihr umdrehen. Orpheus verspricht es, glaubt sie auf dem Weg aber verloren zu haben und dreht sich zu ihr um. Seine Geliebte verschwindet.

Danach wird Orpheus von dem Chor der Bacchanten angegriffen. Orpheus spricht nur noch, weil ihm vor lauter Trauer das Singen vergangen ist. Aber Apollo rettet ihn und steigt mit ihm zum Himmel auf.

Die gedruckte Partitur des „Orfeo“ (Venedig, Ricciardo Amadino, 1609; Reprint Kassel u.a., hrsg. v. Wolfgang Osthoff, 1998) unterstützt natürlich den Stil der Seconda Prattica, so nannte man den „stile rappresentativo“ was Text und musikalische Ausgestaltung angeht, auch. Die Gesangsstimmen sind herkömmlich notiert, die Instrumente als nicht bezifferter Generalbass. Genau so sind die Ausgaben von Caccini („Le nuove nusiche“ Florenz 1602 und 1614) und Jacopo Peri („Le varie musiche“ Florenz 1609) ausgelegt, auch die konsultierte Handschrift der Londoner British Library (Ms. Add. 30491).

Die CD „Li Due Orfei“ enthält von den genannten Komponisten Caccini und Peri Arien und Canzonetten, die teilweise auf eine höchst elaborierte Art vorgetragen werden – man bedenke in diesem Zusammenhang, dass Caccinis „Le nuove musiche“ eigentlich eine Gesangsschule war, die bei den Künstlern und Philosophen der Florentiner Camerata in Benutz und höchst angesehen war. Es ging um die Darstellung von Gemütslagen, Affekte genannt, und um eine möglichst enge Verbindung von Musik und Text. Ob die Verständlichkeit der Texte durch das üppige florale Verzieren allerdings gefördert wird, darüber kann man streiten – jedenfalls gehörte sie zu den angesagten Zielen der „seconda pratica“ im frühen 17. Jahrhundert.

Es ist dies zwar der berühmteste Titel des Repertoires rund um 1700 überhaupt, ich möchte Ihnen trotzdem das Solo-Madrigal „Amarilli mia bella“ von Giulio Caccini besonders empfehlen. Hier sind der italienische Originaltext und eine deutsche Übersetzung: