Vivaldi The Four Seasons Concerto Koeln

Vivaldi: The Four Seasons
Concerto Köln, Shunske Sato
Aufgenommen im Juni 2016
Berlin Classics [8 85470 00829 5], im Vertrieb von Edel-Kultur
… sehr bestimmt und entschlossen …

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Antonio Vivaldi: Die Jahreszeiten
Takako Nishizaki, Violine; Capella Instropolitana; Stephen Gunzenhauser
Aufgenommen im Juli 1987, erschienen 1987 und (in Neuauflage) 2017
NAXOS 8.550056D
… die meistverkaufte des Labels …

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Die „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi gehören in die Kategorie „Populäre Klassik“ oder auch „Klassik Light“ … fast wie „Peter und der Wolf“, „Die Moldau“ oder das „Concierto de Aranjuez“. Sie laufen in Aufzügen und überall da, wo’s klassisch und/oder italienisch klingen soll –  in Restaurants zum Beispiel, die als fein gelten wollen und in telefonischen Warteschleifen von Musikverlagen oder Rechtsanwälten. Die Jahreszeiten von Vivaldi sind natürlich gemeinfrei – es kostet also nichts, sich mit ihnen zu schmücken. Wie oft sie seit Erfindung der Schallplatte vor gut hundert Jahren aufgenommen worden sind, lässt sich nur schätzen. Norman Lebrecht vermutet, dass es bei Erscheinen seines Buches über die „klassische Tonträgerindustrie“ (Ausgespielt – Aufstieg und Fall der Klassikindustrie, Mainz 2007, S. 275) „über vierhundert“ waren: „Die Bandbreite reicht von der erbsensuppenartigen vollorchestralen Version eines Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern bis zu den spartanischen sechzehn Instrumenten des Drottningholm Baroque Ensemble an der Schwedischen Eiskappe.

Jahreszeiten NishizakiMit noch weniger Instrumenten als die Drottningholmer tritt Concerto Köln in ihrer neuen Aufnahme der Jahreszeiten auf. Überhaupt machen sie vieles anders, anders sogar, als Kollegen, die sich auch um historische Aufführungspraktiken bemühen. Dabei müssten sich Interpretationen Alter Musik eigentlich immer ähnlicher werden … denkt man! Aber selbst, wenn man den interpretatorischen Standards beispielsweise der Barockzeit immer näher kommt, weil man immer mehr über sie weiß, ist und bleibt eine musikalische Interpretation eine sehr persönliche Äußerung.

Die Musiker von Concerto Köln äußern sich sehr bestimmt und entschlossen; revolutionär regelrecht; rigoros und fordernd; jede Glätte vermeidend; jedes Risiko eingehend. 1955 haben I Musici di Roma und Felix Ayo als Solist das Werk eingespielt und damit einen ersten großen Verkaufserfolg generiert. Danach haben Kammerorchester überall auf der Welt versucht, I Musici zu kopieren, ihren weichgespülten Klang und vor allem ihren merkantilen Erfolg. Jetzt ist Schluss damit! Ich bin sicher, dass Concerto Köln mit ihrer CD ein neues Beispiel gegeben hat, das vielleicht nicht kopiert wird, gleichwohl aber Anregungen gegeben hat. Denn klar ist, dass die enorm kraftvolle und vitale Art, wie die Kölner das Werk spielen, nicht unbedingt jedermanns Sache ist. Aber wer die musikalische Farbenpracht zu schätzen weiß, die Shunske Sato mit seinen Musikern da ausbreitet, wem bei den brisanten Tempi, die er vorgibt, nicht schwindlig wird, der muss diese Neuaufnahme eines der Schlachtrösser des klassischen Repertoires lieben!

Die andere „neue“ Einspielung der Jahreszeiten ist 1987 entstanden und war eine der ersten Produktionen von Naxos. Heute noch ist die CD dem Vernehmen nach die meistverkaufte des Labels, das gerade seinen dreißigsten Geburtstag gefeiert hat.

Dass ein just gegründetes Plattenlabel nicht mit Provokativem die Bühne betreten möchte, liegt nahe. Daher ist mit diesem „zuverlässigen und lieblichen“ Stück, „welches das Epizentrum des Publikumsgeschmacks repräsentiert.“ (Lebrecht S. 275) seinerzeit der Anfang gemacht worden. Und Klaus Heymann, der Gründer und Besitzer von NAXOS, hat eine gute Wahl getroffen. Heute ist sein Label das größte Klassiklabel der Welt.

Zwei höchst unterschiedliche Aufnahmen der „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi sind herausgekommen – eine, deren Interpreten aufräumen und alte Zöpfe abschneiden wollen und eine, für die auf altbewährte Rezepte gesetzt worden ist.